Den zweiten Aufenthalt in Kalkutta begannen wir als Geldeintreiber. Ende November buchten wir eine Zwei-Tagestour, welche dann aber nicht am gewünschten Datum durchgeführt werden konnte. Deswegen versprach man uns, die Rs. 15′000.- innerhalb von vier Tagen rückzuerstatten. Mittlerweile waren jedoch 18 Tage vergangen und das Geld war, erwartungsgemäss, noch nicht auf dem Konto gelandet. Also besuchten wir das Office in Kalkutta und setzten uns hin, warteten und stellten unsere Forderung. Durch ein technisches Problem konnte scheinbar die Zahlung nicht durchgeführt werden, aber in den nächsten vier Tagen werde das Geld bestimmt auf dem Konto sein, wurde uns versichert. Es brauchte seine Zeit bis in den indischen Köpfen endlich Klarheit herrschte, dass die tollen Versprechungen zwar gut gemeint sind, wir aber hier sind um Bargeld zu sehen. Da diese Forderung die Kompetenzen eines gewöhnlichen Arbeiters übersteigt, wurde der Chef geholt, ähnlich dem Postchef von Bishnupur liess er eine Rede von Vertrauen und Seriösität vom Stapel bis wir uns, für Indien erstaunlichen, Deal einigten. Wir bekommen das Geld jetzt in bar und falls später eine Rückerstattung auf unser Konto kommt, würden wir dies zurückzahlen.
Damit diese Abmachung auch belegt ist, sollte ein kurzes Dokument aufgesetzt werden, dass wir unterschreiben. Was uns jetzt vorgeführt wurde war schon sehr erstaunlich und zeigte das Indien wohl verdient ein Billiglohnland ist und auch bleiben sollte. Für einen acht zeiligen “Vertrag” benötigte der qualifizierte Anwalt eine Stunde. Immer wieder las er den Text durch, änderte ein Wort, dann ein anderes bis er wieder die vorherige Änderung rückgängig machte. Wir verzweifelten fast, da unsere Reisebegleitung im Taxi am Warten war und wir alle endlich ins Hotel wollten. Ein Anwalt lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen und schon gar nicht Einer aus Westbengal. Als dann endlich das Dokument fertig war, ging der Drucker nicht und so wurde nochmals ein wenig herumgebastelt bis endlich das Textlein auf Papier war. Genervt aber doch erfreut über die Rs. 15′000 verliessen wir das Büro.
Das Hotel Hindusthan International, eine Indische 5-Sternekette, war ganz ordentlich auch wenn hier und da noch etwas repariert werden könnte. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte aber und darum entschlossen wir gleich die einzige noch fehlende Nacht unserer Reise über das Internet nach zu buchen. Um nach den Geldeintreiberstrapazen wieder erholt zum Nachtessen zu kommen, gingen wir noch kurz in den Pool, Saune und Dampfbad des Hotels. Im Restaurant wurden wieder einmal sehr leckere Pastagerichte serviert. Das tolle in Indien ist, dass die Ravioli, Pasta oder Gnocchi meistens frisch und von Hand gemacht sind, denn die Barilla-Packung ist einfach teurer als die Zutaten für den Teig und der Hilfskoch, welcher die Pasta von Hand macht.
Am nächsten Tag machten wir eine kleine Stadtbesichtigung und liefen als erstes zum Victoria Memorial, danach ging es per Taxi zur Howrah Railway Station. Der Taxi fruhr zwar brav mit dem Taximeter, jedoch war sein Weg nicht ganz optimal, für den doppelten Weg gibt es “leider” nur den halben Preis. Taxifahrer die einem nicht über den Tisch ziehen wollen oder am Ende nach mehr Geld betteln, können wohl an einer Hand abgezählt werden und zwar für ganz Indien. Nach einem kurzen und hektischen Besuch des Bahnhofs ging es per Boot wieder zurück auf die andere Seite, von Mitten auf dem Fluss zeigt sich die eigentlich nicht sehr spezielle Howrah-Brücke von seiner besten Seite.
Auf dem Rückweg zum Hotel stellten wir fest, dass die Hauptpost trotz nationalem Feiertag offen war. Solch eine Chance muss man in Indien nutzen und darum holten wir im Hotel unser Paket. Kaum zurück bei der Post kommt schon ein Typ der unsere Box in Stoff einpacken will. Er meinte, er wisse wo wir das Paket aufgeben müssen, und so gingen wir wieder einmal durch den Hintereingang in das Postgebäude rein. Dort wog er unser Paket und ein Angestellter prüfte den Inhalt. Während er sich ans Einpacken in Stoff ranmachte, füllten wir die Formulare gemäss seinen Angaben aus. Plötzlich wurde es aber laut und eine hitzige Diskussion startete. Als dann der Postchef auf unseren Helfer einschlug und alle Angestellten ihn umstellten, schrie Corinne alle zur Vernunft. Wir wurden dann beruhigt, mussten aber das Postgebäude verlassen um das Paket einzupacken. Aufgegeben haben wir das Paket dann auf der richtigen Seite der Schalterhalle und warten jetzt gespannt darauf ob es auch je die Schweiz erreichen wird. Dies zeigt wieder einmal, auch ein einfacher Postbesuch wird in Indien schnell zu einem Abenteuer.
Das Frühstück am nächsten Tag war bereits das Abschiedsessen mit unserem Maharaja, denn seine Reise ging heute nach Mumbai und nach einer Nacht im Taj Mahal Hotel zurück in die Schweiz. Wir sollten aber nicht lange alleine sein, denn Jost wird nach Kalkutta kommen. Eigentlich wollte er am 17. schon da sein, aber in Indien ist der 18. auch ein wenig der 17. Leider verzögerte sich seine Zugankunft ein wenig und seine erste Taxifahrt in Kalkutta war auch umfangreicher als nötig und so war es dann schon bald Mittag bis wir uns beim Indian Museum trafen. Schnell suchten wir ein passendes Hotel für ihn und assen, mit toller Aussicht über den riesigen New Market von der Dachterrasse, zu Mittag. Den Besuch des New Market hielten wir relativ kurz um zurück im Hotel noch ein wenig für Cubera zu Arbeiten, es galt das neue Logo auszusuchen.
Da wir eine Nacht nachgebucht hatten, mussten wir die Rechnung der ersten beiden Tage begleichen und Auschecken um gleich anschliessen wieder einzuchecken, trotz millionen Programmierer im Land können solche Einfachheiten nicht kundenfreundlich abgewickelt werden. Ausserdem war unser Kuchenstück doppelt verbucht, was wiederum nur der Hotelmanager feststellen konnte.
Zum Nachtessen besuchten wir das Haldirams, ein Indisches Fastfoodlokal, wobei fast sicher nicht auf die Auslieferungszeit der Pizza bezogen ist. Für die zweite Runde Pizza musste zuerst noch ein kleiner Kampf mit dem Koch ausgetragen werden, denn zwischen ein paar Hindiworten hörten wir immer wieder Pasta. Die klare Anweisung gemäss Jost Indisch-Englisch “PIZZA YES, PASTA NO” reichte glücklicherweise zum Sieg.
Am 19. Dezember flogen wir von Kalkutta nach Ahmedabad ganz im Westen, zuvor trafen wir uns nochmals kurz mit Jost und liefen ein wenig umher. Punkt 12 Uhr nahmen wir uns ein Taxi, welcher dank limitiertem sonntäglichen Verkehr recht rasch beim Flughafen war, und dank unserem Paket gab es beim Check-in auch keine Probleme wegen Übergewicht. Umrundet - wenn auch die Sitze der grossen Wartehalle noch alle leer waren - von Indernfamilien mit überzuckert nervösen Kindern warteten wir auf unseren Abflug.
Die Bilder aus Kalkutta
Filed under: Reisen on December 24th, 2010 | No Comments »